2020 Krise bei Airbus: Rüstung-Arbeitsplätze sind keine sicheren Arbeitsplätze!

Flaute bei Airbus / Rüstungs- und Raumfahrtsparte vor Restrukturierung / Schwaebische Zeitung, 19.12.2019 / von Benjamin Wagener und Roland Losch / Ravensburg / Unsicherheit bei Airbus Defence & Space in Immenstaad: Mitarbeiter rätseln, wie sich die Sparpläne der Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus auf den Standort Friedrichshafen auswirken könnten. „Über einzelne Maßnahmen kann ich noch keine Angaben machen, da diese noch mit dem Betriebsrat diskutiert werden“, sagte ein Sprecher der Raumfahrtsparte auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. „Aber entsprechende künftige Maßnahmen werden die ganze Division betreffen, also sowohl den Verteidigungs- wie auch den Raumfahrtbereich.“ Dirk Hoke, Chef der Rüstungs- und Raumfahrtsparte, hatte die Mitarbeiter am Dienstag in einem Weihnachtsbrief darüber informiert, dass mit dem Betriebsrat über ein Sparpaket verhandelt werde. In dem Brief, der der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt, heißt es, dass Airbus Defence & Space „jetzt robuste Maßnahmen ergreifen und die zugrunde liegende Kostenstruktur verbessern“ müsse. Im dritten Jahr in Folge habe das Unternehmen weniger Aufträge als Auslieferungen verzeichnen können. „All dies hat uns in die außergewöhnliche Lage gebracht, dass unsere kurzfristige Perspektive so kritisch ist wie nie zuvor und einen entscheidenden Turnaround erfordert“, heißt es in dem Schreiben weiter. Dietmar Pilz, der Chef des Standorts Friedrichshafen, wollte sich nicht zu den Plänen äußern. Dem Betriebsrat in Immenstaad seien „noch keine konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Kostenstruktur vorgestellt worden“, wie Betriebsratschef Christian Birkhofer erklärte. Die Auswirkungen seien der Arbeitnehmervertretung noch nicht bekannt. „Die Maßnahmen dürfen jedoch nicht zu Lasten der Kollegen gehen, dafür werden wir uns mit aller Kraft einsetzen.“ Die Bundesregierung – mit Abstand wichtigster Kunde im Rüstungsgeschäft von Airbus – hat Aufträge verschoben und prüft nun, ob sie die alten Tornado-Kampfflieger durch 90 Eurofighter oder durch F18-Kampfflugzeuge von Boeing ersetzen will. Zudem leidet das Unternehmen im Verteidigungsbereich unter dem Exportverbot nach Saudi-Arabien und braucht im Raumfahrtsektor unbedingt neue Aufträge. Beim Jahresgespräch vor wenigen Tagen hatte Standortchef Pilz darauf hingewiesen, dass sein Unternehmen auch im Raumfahrtbereich Aufträge brauche. „Wir müssen im Raumfahrtbereich neue Aufträge gewinnen“, sagte Pilz im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Der Gesamtbetriebsrat von Airbus Defence & Space sieht nach den Ankündigungen den Bau von Kampfflugzeugen in Deutschland insgesamt in Gefahr. Es gehe nicht nur um einen Stellenabbau: „Die Zukunft der gesamten militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland entscheidet sich an der Frage, ob die Bundeswehr den Eurofighter oder die amerikanische F18 als Nachfolger für den Tornado kauft“, sagte Gesamtbetriebsratschef Thomas Pretzl der „Augsburger Allgemeinen“. Airbus Defence und Space beschäftigt in Manching bei Ingolstadt 5000 Mitarbeiter, in Ottobrunn bei München, Friedrichshafen am Bodensee und Bremen je 2000 Mitarbeiter und weitere 23 000 in Frankreich, Spanien und England. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen seinen Umsatz in Immenstaad immer weiter gesteigert – nach Branchenschätzungen von zuletzt rund 810 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 850 Millionen Euro im Jahr 2018. Insgesamt kam die Luft- und Raumfahrtsparte von Airbus im Jahr 2018 auf einen Umsatz von 11,063 Milliarden Euro (plus vier Prozent). Der operative Gewinn belief sich auf 935 Millionen Euro (plus 15 Prozent).

 

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